EIN STARKES TEAM FÜR IHRE HAUT
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Dr. med. Peter Wenzel |
Dr. med. Beate Künzlberger |
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Krampfadern
Auch wenn man alle Risikofaktoren zu meiden versucht, viel Sport treibt, nicht
übergewichtig ist, die Beine nicht übereinander und wann immer möglich hoch
legt, nicht raucht, vielleicht auch noch auf die Pille verzichtet und jeden
Morgen beim eiskalten Abbrausen der Beine kurzatmig wird – hat das Schicksal sie
vorgesehen, bekommt man sie auch: die Krampfadern. Als spinnenwebartige feinste
Erweiterungen in Form von Besenreisern oder als daumendicke knollige
Veränderungen, man kann es sich nicht aussuchen. Am Anfang steht immer die
Diagnostik durch schmerzfreie Messverfahren. Es wird mit Ultraschall die
Flussrichtung des Blutes in den Venen überprüft. Das Blut muss entgegen der
Schwerkraft zum Herzen hin transportiert werden. In der Leiste befinden sich
wichtige Klappen die einen Rückfluss ins Bein verhindern. Eine lichtoptische
Messung zeigt evtl. Einschränkungen in der Abpumpfunktion der Beinvenen.
Bildgebende Ultraschallverfahren sind vor allem zur Klärung einer
Gerinnselbildung, der Beinvenenthrombose, wichtig. Behandlung der Wahl bei
Besenreisern ist das Veröden. Dabei wird mit sehr dünner Nadel eine Flüssigkeit
ist die feinen Erweiterungen eingespritzt, durch die an der Venenwand eine
entzündliche Reizung entsteht, in deren Folge die Vene sich verschließt. Laser
zeigen bei den typischen Besenreisern keine zufrieden stellende Wirkung und
können unschöne Narben hinterlassen. Bei netzartigen Venenerweiterungen hat sich
die Schaumsklerosierung etabliert. Hierbei wird das Verödungsmittel aufgeschäumt
und injiziert. Dank der großen Oberflächenwirkung der Schaumbläschen erreicht
man mit niedrig konzentrierten und damit auch wenig Reizung hervorrufenden
Verödungsmitteln sehr gute Erfolge. Als Stammvarikose bezeichnet man die
Erweiterung der unter der Haut an der Innenseite der Beine verlaufenden
Hauptvene meist verbunden mit einem fehlenden oder unzureichenden Klappenschluss
in den Leisten. Die klassische Operation ist die Unterbindung der Vene in der
Leiste und das Herausziehen
mittels einer in die Vene eingeführten Sonde. Bei neueren Verfahren wird in die
unterbundene Vene eine Sonde eingeführt, an deren Spitze Laserstrahlen oder
Radiowellen Hitze erzeugen, was ähnlich dem Veröden zu einem Verschluss der
Venen führt. Übrigens: schaden tut´s natürlich nicht, wenn man die anfangs
aufgeführten Risikofaktoren meidet!
Nagelpilz
Der Leidensdruck kann sehr unterschiedlich sein: den Herren der Schöpfung stört
der Holznagel mitunter kaum („…tut ja nicht weh!“), seine bessere Hälfte ist oft
schon bei diskretesten Veränderungen aus dem Häuschen. Zehnagelpilze sind als
solche tatsächlich eher von geringem Krankheitswert. Unbehandelt werden weitere
Nägel, schließlich auch die Fingernägel, betroffen. Die fadenartigen Pilze
ernähren sich von der Hornsubstanz und durchsetzen mit der Zeit den gesamten
Nagel. Der verändert sein Aussehen gelblich-weiss, lockert in der Struktur auf
und wird meist dicker und bröcklig. Nachgewiesen wird der Pilz durch ein
mikroskopisches Präparat und die Anzüchtung in einer Pilzkultur. Zwar gelangen
die Pilze nicht, wie oft befürchtet, ins Körperinnere und befallen dort die
Organe, dennoch ist eine Beseitigung dieses Schmarotzers nicht zuletzt zur
Verhinderung seiner weiteren Ausbreitung sinnvoll. Zur äußeren Behandlung stehen
Cremes, Tropfen und Sprays zur Verfügung. An die stört sich der Pilz im Nagel
nicht, fast immer ist aber die Haut der Zehenzwischen-räume mit befallen. Bevor
man tiefer in die Tasche greift und sich einen pilzmittelhaltigen Nagellack
kauft, sollten unbedingt alle verändert aussehenden Nagelanteile beseitigt sein.
Manch einer kann das selbst, hier berichtet der männliche Teil der Schöpfung
immer wieder gerne von Erfolgen mit Flex und Bohrmaschine, eleganter aber ist da
der Besuch bei einer Fußpflegerin, die allerdings nicht zu ängstlich sein darf,
ihre Fräsen den Anforderungen entsprechend beherzt einzusetzen.
Der holzige Nagel nimmt den Lack ja nicht in sich auf, wie wenn sich ein Schwamm
voll Wasser saugt. Er kann seine Wirkung nur an der Grenzfläche zum gesunden
Gewebe entfalten. Die beste Wirkung hat die orale Antimykotika-Therapie, also
die Behandlung mit Pilztabletten. Deren Wirkstoffe werden in den wachsenden
Nagel eingebaut und dadurch von innen her die Pilzelemente beseitigt. Sie können
nur so langsam wirken wie der Nagel wächst und müssen deshalb über mehrere
Monate eingenommen werden. Bei Gesunden zeigen unter der Behandlung abgenommene
Blutkontrollen in aller Regel keine Auffälligkeiten. Voraussetzung für die
Behandlung ist aber auch hier die vorausgehende mechanische Beseitigung der
betroffenen Nagelanteile. Selbstverständlich, wenn auch nicht so rasch wie
Schnupfen oder Durchfall, kann auch ein Nagelpilz sich erneut ausbilden. Deshalb
kann eine dauerhafte Anwendung einer Pilzcreme als Versuch der Vorbeugung eines
erneuten Nagelpilzbefalls sehr sinnvoll sein.
Warzen
Jeder hat sie schon einmal gehabt, obwohl sie keiner mag,
und manch einer plagt sich noch heute mit ihnen: Warzen. Hervorgerufen werden
sie durch die humanen Papillom-Viren, kurz HPV. Knapp 200 unterschiedliche
Warzenviren hat man inzwischen identifiziert und der Einfachheit halber
durchnummeriert. Die meisten sind nur lästig, einige aber können sogar
Krebserkrankungen hervorrufen, so HPV 16 und 18, die Gebärmutterhalskrebs
auslösen können. Hiergegen steht inzwischen eine Impfung zur Verfügung. Leider
gibt´s keinen Wirkstoff, der die Warzenviren abtöten kann, wie z.B. ein
Antibiotikum bakterielle Erreger. Da muss die Körperabwehr schon selbst in
Schwung kommen, und das klappt beim kindlichen und jugendlichen Organismus
relativ rasch, beim Erwachsenen ist es oft ein Spiel ohne Ende. Mit dem
operativen Entfernen ist man eher zurückhaltend. Schon die Betäubung ist vor
allem an Händen und Füßen sehr schmerzhaft. Rausschneiden, Auskratzen,
Wegbrennen und auch das Lasern hinterlassen schmerzhafte Wunden, es verbleiben
Narben und nicht selten bilden sich in der abheilenden Wunde die Warzen erneut
aus. Probleme machen Warzen neben dem als unschön empfundenen Aussehen
hauptsächlich durch Schmerzen infolge von Druck an der Fußsohle oder durch
Rissbildungen. Beides entsteht durch Dickenzunahme und so ist das Ziel der
Behandlung die Ausdünnung durch Tinkturen, Vereisen, hornaufweichende Pflaster
und mechanisches Abtragen durch Hornhauthobel. Besonders an Elternabenden
beliebtes Thema ist die Ansteckungsgefahr. Als Virus-bedingtes Problem handelt
es sich selbstverständlich immer um eine Übertragung von Mensch zu Mensch. Nun
habe ich als Hautarzt in mehr als zwanzig Jahren so manche warzenübersäte Hand
geschüttelt und diverse Fußsohlenwarzen auf ihre Druckschmerzhaftigkeit
überprüft, ohne dabei selber Warzen zu entwickeln. Nicht jeder Kontakt ist
gleichbedeutend mit der tatsächlichen Entwicklung von Warzen und so ist auch die
Infektionsgefahr im Schwimmbad, auf Sportmatten und anderswo doch sehr relativ
zu sehen, besonders wenn man bedenkt, dass sowieso jeder im Kindes- und
Jugendalter Warzen entwickelt. Deswegen Kinder monatelang vom geliebten
Schwimmen oder anderen Sportarten auszuschließen, sollte besonnen abgewogen
werden.
Zecken
Zecken sind kleine Spinnentiere, die sich im höheren Gras und niedrigen
Buschwerk aufhalten und sich auf die Haut des vorbeistreifenden menschlichen
oder tierischen Artgenossen fallen lässt. Klein etwa wie das Samenkorn einer
Paprikaschote krabbeln sie auf der Haut gern zu Stellen, wo´s warm ist, also
Achselhöhlen- und Schrittbereich, aber auch Bisse an beliebigen Stellen sind
möglich. Es sind übrigens tatsächlich Bisse und nicht Stiche, da mit einem
schwertfischähnlichen Beißorgan Blut gesaugt wird. Freundlicherweise sondern die
Zecken vor dem Zubeißen ein betäubendes Sekret ab, so dass man den Biss selbst
nicht spürt. Vollgesogen mit Blut haben sie ihre Körperfülle bis auf Bohnengröße
vervielfacht und verabschieden sich vom unfreiwilligen Spender, indem sie sich
einfach fallen lassen. Das passiert gern auf dem WC-Topf, so dass das ganze
Geschehen nicht selten völlig unbemerkt bleibt. Drei bis vier Wochen später kann
sich dann ein rosiger Fleck entwickeln, der keinerlei Beschwerden macht, aber
allmählich an Größe zunimmt. Es tut nicht weh, es juckt nicht, man fühlt auch
nichts! Spätestens dann heißt es aber: zum Arzt gehen! Das sind nämlich typische
Erstsymptome einer Borreliose in Form des auch bei uns recht oft auftretenden
Erythema chronicum migrans, der Röte die sich langsam ausbreitet, auch
Wanderröte genannt. Sie wird ausgelöst durch Borrelien, besonderen Bakterien,
die sich im Verdauungstrakt der Zecke ansiedeln und beim Blutsaugen auf den
Menschen übergehen. Die Diagnose stellt der Arzt in erster Linie anhand des
klinischen Bildes, also mit dem Blick auf den Befund an der Haut. Bei
eindeutigem und auch schon bei verdächtigem Befund erfolgt die Gabe eines
Antibiotikums über 20 Tage. Die zur Routinediagnostik gehörenden
Laboruntersuchungen haben oft wenig oder gar keine Aussagekraft. Immer wieder
bestehen eindeutige Infektionen, ohne dass diese sich in irgendeiner Weise im
Blut widerspiegeln. Bleibt dann eine notwendige Behandlung aus, kann die
Infektion fortschreiten und innere Organe, Herz und Nieren, aber auch Gelenke
und das Nervensystem befallen werden. Das Beste ist natürlich die Meidung von
Zeckenbissen durch entsprechendes Verhalten, geschlossene Kleidung und das
Absuchen des Körpers nach Aufenthalten in freier Natur. Findet man eine Zecke,
geht es um die schnellstmögliche Entfernung. Ob rechts- oder linksrum
rausgedreht, mit oder ohne Zeckenzange, bleibt sich gleich, verbleibende
Beißwerkzeuge stellen kein Problem dar und werden vom Körper nach wenigen Tagen
abgestoßen. Am besten ist natürlich die Entfernung durch den Arzt. Übrigens: die
„Zeckenimpfung“ schützt selbstverständlich nicht vor Zeckenbissen als solchen,
auch nicht vor der Borreliose, sondern vor einer durch Viren hervorgerufenen
Hirnhautentzündung, der Frühsommermeningoenzephalitis, kurz FSME. Diese spielt
bei uns derzeit keine Rolle, wohl aber bei Aufenthalten in Süddeutschland,
Österreich, dem Balkan und Osteuropa, kann also bei Urlaubsreisen wichtig sein.
Herpes
Erst merkt man nur ein Spannungsgefühl an den Lippen, man weiß aber schon, was
kurze Zeit später aufblüht: der Lippenherpes. Immerhin 10% der Bevölkerung
entwickelt immer wieder die unschönen Bläschen. Die Herpesviren trägt aber jeder
in sich. Irgendwann in der Kindheit zieht man sie sich zu und sie bleiben ein
Leben lang im Körper. Beginnen die schlummernden Herpesviren sich zu teilen,
kommt es zur Entwicklung der Bläschen. Es handelt sich also immer um einen
Infekt quasi von innen heraus. Viele kennen konkrete Anlässe, nach einem
Ekelgefühl, nach einem grippalen Infekt, nach Zug an den Lippen z.B. beim
Zahnarzt oder auch nach intensiver Sonneneinstrahlung. Es gibt sog. Virustatika,
Mittel die die Vermehrung der Viren hemmen sollen, viruzid wirkende, d.h.
Herpesviren abtötende Medikamente gibt es nicht. Die Wirksamkeit der Virustatika
in Herpescremes ist hinsichtlich ihrer Wirksamkeit eher zurückhaltend zu
bewerten. Es ist nicht vorstellbar, dass die sehr niedrig dosierten Wirkstoffe,
aus der Cremegrundlage heraus in die Bläschen gelangen und dort eine
entsprechende Wirkung entfalten können. Manche schwören drauf und sollen´s ruhig
anwenden. Möglicherweise hilft tatsächlich aber nur die Bläschen eintrocknende
Cremegrundlage. Die hat man aber auch, indem man z.B. Schwarzteebeutel mehrfach
am Tag für einige Minuten auflegt.
Zur Vermeidung einer zusätzlichen bakteriellen Infektion der sich öffnenden
Bläschen können antibiotische Salben sinnvoll sein. Der Herpes dauert mit
Behandlung 2 Wochen und ohne Behandlung 14 Tage – die Weisheit meiner alten
Tante bestätigt sich immer wieder. Übrigens kommt der Herpes nicht nur an den
Lippen vor. Auch Nasenflügel, Wangen und Lider können betroffen sein. Beim
älteren Menschen kann sich Herpes am Übergang von unterem Rücken zum Gesäß
entwickeln und zeichnet sich dabei durch erhebliche Schmerzhaftigkeit aus. Sehr
schmerzhaft ist auch der Herpes im Genitalbereich, der öfter jüngere Patienten
betreffen kann. In solchen Fällen kann der Versuch unternommen werden, durch die
kontinuierliche, niedrig dosierte Gabe einer virustatischen Tablette ein
wiederkehrendes Aufflammen des Herpes zu verhindern.
Hautkrebs
An Hautkrebs braucht heute niemand mehr sterben! Voraussetzung sind der
vernünftige Umgang mit dem Sonnenlicht und die Früherkennung. Man unterscheidet
hellen, manche sagen auch weißen, vom schwarzen Hautkrebs. Bei hellem Hautkrebs
stellen die Basaliome (auch Basalzellkarzinome) die häufigste Krebsart überhaupt
dar. Sie entwickelnd sich ohne Vorläufer meistens im Gesicht und wachsen an Ort
und Stelle zerstörend. Sie können Nasenflügel oder Ohr zerfressen – lässt man
sie lange genug wachsen. Sie setzen aber nie Absiedlungen (Metastasen) in
Lymphdrüsen oder andere Organe. Wer ein Basaliom hat, bekommt allerdings im
Laufe der Zeit in fast der Hälfte der Fälle weitere Basaliome. Das Spinaliom,
der zweite helle Hautkrebs, kann in seltenen Fällen Absiedlungen setzen und
entsteht immer auf dem Boden einer Lichtschädigung der Haut. Die entwickeln
nicht nur Sonnenanbeter, sondern fast jeder mitteleuropäische helle Hauttyp.
Unser Freizeitverhalten ist ganz anders als vor 100 Jahren und die Summe des
eingestrahlten Lichtes macht den Schaden aus. Hier gibt es Vorstufen, die meist
als rote, sandpapierartig raue schuppige Stellen an dem Licht ausgesetzten
Stellen wie Stirn, kahle Kopfhaut, Nasenrücken, Wangenknochen, Handrücken zu
finden sind. Mit der Zeit nehmen diese Lichtwarzen (aktinische Keratosen) an
Dicke zu und können dann zu einem Spinaliom (auch Stachelzellkrebs oder
Spinalzellkarziom) werden. Der schwarze Hautkrebs, das maligne Melanom, betrifft
zunehmend jüngere Menschen. Mitursache sind häufigere Sonnenbrände in
Kindestagen. Typisch ist der sehr dunkle bis tatsächlich schwarze Ton eines
Hautflecks, der sich meist auffällig von allen anderen Pigmentflecken am Körper
unterscheidet. Erste Hinweise kann die ABCD-Regel geben: A für Asymmetrie, B für
unscharfe Begrenzung, C für Colorit, also auffällige Farbgebung, D für
Durchmesser über 5 mm. Diese Punkte sollen ebenso wie Juckreiz oder Bluten den
Patienten auf sich aufmerksam machen, sind aber keine zuverlässigen Kriterien,
ob eine Veränderung entfernt werden muss oder nicht. Die Empfehlung geht dahin,
immer wenn ein Fleck „einem komisch vorkommt“, den Arzt aufzusuchen. Unabhängig
davon sollten die Möglichkeiten der Vorsorge in Form des seit kurzem
eingeführten kostenfreien Hautkrebsscreenings genutzt werden. Hierbei werden
weder Röhrchen noch Finger in eine der Körperöffnungen eingeführt, nicht einmal
den Pieks einer Nadel muss man fürchten – man wird nur von Kopf bis Fuß
angeschaut. Auch die Auffassung, lieber nichts davon wissen zu wollen, wenn denn
etwas wäre, greift nicht. Hautkrebs geht nicht von selber weg und dehnt sich
weiter aus.
Hautkrebs lässt sich aber durch frühzeitige Entfernung fast immer heilen!
Haarausfall
Auf dem Verkehrsübungsplatz im VW Käfer meines älteren Bruders fiel er mir
erstmals auf: der Haarausfall. Das Schiebedach ließ die Sonne recht großzügig
auf die Kopfhaut fallen. Seit vielen Jahren ist nur ein Kranz geblieben. Mann
oder Frau – der Haarausfall ist immer eine harmlose, oft aber sehr belastende
Angelegenheit. Neben den durch konkrete Ursachen bedingten Formen gibt es den
meist bei Männern zu findenden anlagebedingten Haarausfall. Diesen als „erblich“
zu bezeichnen meint, man werde so aussehen wie Vater oder Großvater. Das kann
sein, muss aber nicht sein. Es steht in der Erbinformation, den Genen, ob und
wieweit sich eine Lichtung entwickelt. Und bei den Genen mischen sich
bekanntlich mütterliche und väterliche Erbinformation. Wallendes Haar beim Vater
und kahler Kopf beim Opa sind also nur sehr vage Prognosen. Bei Frauen gibt´s im
höheren Lebensalter eine dem männlichen Haarausfall ähnliche Form. Öfter kommt
es bei Frauen zu einem zeitweise vermehrten Ausgehen von Haaren, dabei meist aus
konkretem Grund. Das Haar ist ein Wechselgewebe, das heißt es gehen
kontinuierlich Haare aus und werden durch nachwachsende Haare ersetzt.
Einschnitte in den Hormonhaushalt, das Ende einer Schwangerschaft, das Absetzen
der Pille, operative Eingriffe, drastische Diäten, schwerere Infekte und auch
Eisenmangel und Schilddrüsenprobleme können dazu führen, dass Haare zeitweise
vermehrt ausgehen, allerdings nicht unmittelbar, sondern erst nach etwa drei
Monaten. Das liegt daran, dass das Haarwachstum in Phasen abläuft. Nach einer
mehrjährigen Wachstumsphase geht das Haar in die Ausgangsphase über, die etwa
drei Monate dauert und erst dann mit dem Ausgehen des Haares endet. Diese Haare
sind aber nicht wie beim männlichen Haarausfall für alle Zeiten weg, sondern aus
dem Haarfollikel wächst langsam wieder ein neues Haar. Das Haarwachstum bei der
Frau kann durch weibliche Hormone, die Östrogene, als Haarwasser oder als Pille,
positiv beeinflusst werden. Minoxidil ist an sich ein blutdrucksenkender
Wirkstoff, der als Haarwasser angewendet bei Mann und Frau zur Behandlung des
Haarausfalls zugelassen ist. Die Wirkungsweise ist bislang nicht klar. Für den
Mann gibt es Tabletten mit dem Wirkstoff Finasterid. Der soll an sich
Prostataprobleme bessern und man hat als Nebenerscheinung festgestellt hat, dass
bei manch älterem Herrn Haare wieder sprießten. In niedrigerer Dosierung ist es
als verschreibungspflichtiges Präparat für den jungen Mann zugelassen, der um
seine Haarpracht fürchtet. Dieses Medikament muss ebenso wie alle anderen
Haarwuchsmittel als Lifestyle-Medikament selbst getragen werden. Zu warnen ist
aber vor „günstigen“ Angeboten aus dubiosen Internetquellen. Da soll´s statt des
kostspieligen Originals für ein Paar Euro schon mal gepressten Kamelmist in
Tablettenform geben. Wobei … vielleicht hilft ja gerade der besonders gut!?
Läuse
Läusealarm! Welche Familie ist nicht irgendwann einmal davon betroffen? Es
kribbelt die Kopfhaut schon, wenn man nur daran denkt. Der Juckreiz, der durch
Entzündungen an den Bissstellen beim Blutsaugen entsteht, kann völlig fehlen.
Ist bei einer Person ein Lausbefall festgestellt, sollte die gesamte Umgebung
vor allem in Kindergarten und Schule systematisch auf Nissen untersucht werden.
Das sind die Eier der Läuse, die eine tropfenartige Form haben und am Haarschaft
kleben. Deshalb lassen sie sich auch nicht so leicht entfernen wie z.B.
Haarschuppen. Läuse springen übrigens nicht von einem Menschen zu andern.
Direkter Kontakt, das Umarmen der Mädchen und die Klopperei bei den Jungen, ist
der bevorzugte Übertragungsweg. Hat ein Kind Läuse, sollte zur Sicherheit die
gesamte Familie behandelt werden. Die Läuse selbst sind nicht immer nachweisbar,
sieht man aber nach dem Ausschütteln der Haare über einem Spülstein etwas
daherflitzen, sind noch (oder wieder) lebende Läusen vorhanden. Das ist wichtig
bei der Frage, ob eine erneute Behandlung notwendig ist. Dabei ist das
Laus-Problem nicht ein Problem der Behandlung, dass das Mittel vielleicht nicht
gewirkt habe oder Läuse resistent geworden wären. Alle zugelassenen Präparate
sind wirksam und einfach anwendbar. Das Problem ist die Wiederansteckung durch
noch nicht behandelte Personen. Es kann daher sehr sinnvoll sein, das Kind
einige Tage von Kindergarten oder Schule fern zu halten – nicht aber, weil von
ihm vielleicht doch noch eine Ansteckungsgefahr ausgeht, sondern weil man sicher
annehmen kann, dass nicht alle Lausträger so kurzfristig behandelt worden sind.
Ein Kind das tags zuvor wegen Lausbefalls nach Hause geschickt wird und von dem
nach sachgerechter Behandlung keinerlei Ansteckungsgefahr mehr ausgeht, besucht
tags drauf wieder Kindergarten oder Schule und kehrt mittags mit erneutem
Lausbefall heim. Auch schriftliche Mitteilungen an die Eltern sind keine Gewähr,
dass alle Betroffenen auch tatsächlich untersucht und ggf. behandelt werden.
Untersuchung und Behandlung, insbesondere auch die der Familienangehörigen,
scheitert oft schon an einem ganz einfachen Grund: Alle Läusemittel sind
freiverkäuflich und müssen demzufolge ab dem 12.Lebensjahr selber bezahlt
werden!
Hämorrhoiden
„Herr Doktor, ich hab Malästen mit meinen Hämorrhoiden!“ Die meisten Patienten,
die das sagen, haben keine Hämorrhoiden, denn Hämorrhoiden hat jeder Mensch.
Alles klar? Also: tatsächlich hat jeder Mensch Hämorrhoiden in Form von ganz
normal bestehenden Venenpolstern, die zur Feinabdichtung des Afters dienen. Erst
wenn diese Venenpolster sich erweitern, entsteht das Hämorrhoidalleiden.
Vergleichbar ist das mit der Erweiterung der Beinvenen zu Krampfadern. Je nach
Ausmaß spricht man von Hämorrhoiden
I.-IV.Grades. Die geringeren Erweiterungen können verödet werden, höhergradige
Veränderungen bedürfen einer heutzutage recht schonend durchführbaren Operation.
Cremes beseitigen diese Venenerweiterungen nicht. Eine frühzeitige Verödung soll
den Übergang in operationsbedürftige Ausmaße verhindern. Nun wieder zu den
Malästen des Patienten. Fragt man genauer nach bestehen meist Juckreiz, Brennen
und Schmerz, Blutspuren am WC-Papier oder ein tastbarer Knoten am After –
allesamt keine Symptome, die vorrangig an Hämorrhoiden denken lassen.
Hauptsymptom des Hämorrhoiden-Leidens ist die Blutung, als Auflagerung zum
Stuhlgang, als Nachtropfen oder regelrechtes Spritzen in die WC-Schüssel.
Juckreiz bis hin zu quälendem Brennen wird zumeist durch eine Ekzemausbildung im
feuchtwarmen Milieu bei entsprechend empfindlicher Haut hervorgerufen. Mitunter
besteht zusätzlich eine Hefepilzbesiedlung. Feine Risse der zarten Analhaut
können bei Ekzemen und auch nach allzu intensiven Reinigungsversuchen entstehen,
Brennen hervorrufen und durch oberflächlichen Blutaustritt entsprechende Spuren
am WC-Papier hinterlassen. Hier kommen vorrangig hautschützende Zinksalben zur
Anwendung, je nach Befund mit Antipilzmittel oder auch milden
Kortisonwirkstoffen versetzt. Tiefere Rissbildungen können entstehen, wenn gegen
eine sich unwillkürlich stark verspannende Schließmuskulatur intensiv gepresst
wird. Die entstehenden Analfissuren verursachen heftige Schmerzen vor allem am
Ende des Absetzens von Stuhlgang. Es können Versuche mit Analdehnern unternommen
werden, meist hilft hier aber erst der operative Eingriff. Binnen kurzer Zeit
entwickelte, schmerzhafte Knoten können Zeichen einer Abszessbildung sein, sind
meist aber auf eine Gerinnselbildung im Venengeflecht um den After
zurückzuführen. Öffnet man sie in Lokalbetäubung entleert sich ein an
Brombeergelee erinnerndes Blutkoagel. Probleme im Enddarmbereich müssen immer
die Frage nach einer weiteren Abklärung des Dickdarms aufwerfen. Ab dem 56.
Lebensjahr ist eine Dickdarmuntersuchung auch unabhängig von evtl. Beschwerden
als Vorsorgeleistung der Krankenkasse eingeführt!
Heuschnupfen
Hatschi! Die Augen jucken, die Tränen laufen, die Nase fließt, die
Pollenflugsaison hat begonnen. Jeder fünfte Mitbürger wird mehr oder weniger
davon geplagt. Interessanterweise werden die Pollen, die die Menschheit ja viele
Jahrtausende in Ruhe gelassen haben, erst durch die zusätzliche Beladung mit
Schwebstoffen aus der Umwelt wie z.B. Russpartikeln zu aggressiven Allergenen.
Man muss auch nicht auf der grünen Wiese wohnen oder die Birke vor der Tür
stehen haben, um Beschwerden zu entwickeln. Die allergieauslösenden Pollen sind
so klein, dass man ihnen nirgendwo entgeht. Die genaue Diagnose bringen
sogenannte Pricktestungen an der Haut. Dabei werden die Allergene in flüssiger
Form auf die Haut gebracht und ganz oberflächlich, ohne dass es blutet, in die
Haut gepiekt. Das Blut kann auf erhöhte Antikörperspiegel auf verdächtige
Allergene untersucht werden. Im Zweifelsfall können Provokationstestungen mit
Allergen - tragenden Augentropfen und Nasensprays durchgeführt werden. Neben dem
tapferen Ertragen der Beschwerden gibt es zwei Behandlungsoptionen: die
symptomatische Behandlung und die Hyposensibilisierung. Symptomatisch werden
Antihistaminika meist in Tablettenform verabreicht, dabei gibt es ältere und
neuere, billigere und teurere, freiverkäufliche und verschreibungspflichtige,
letztlich aber keine wirklich guten oder wirklich schlechten Präparate. Der eine
kommt mit dem, der andere mit dem Präparat am besten klar. Hier gilt es durch
Ausprobieren das richtige zu finden. Die Hyposensibilisierung verfolgt das Ziel,
durch unterschwellige kontinuierliche Allergenzufuhr, die überschießende
Reaktion auf ein normales Maß zurückzuführen. Eine Toleranz gegen das Allergen
soll sich entwickeln. Bei der klassischen Hyposensibilisierung werden regelmäßig
Spritzen in den Oberarm gesetzt, erst wöchentlich über drei Monate, dann
monatlich über insgesamt drei Jahre. Allgemeinreaktionen mit Hautausschlag und
Atembeschwerden bis hin zum Kollaps sind möglich. Deswegen muss man nach der
Spritze eine halbe Stunde in der Praxis bleiben. Inzwischen stehen auch Lösungen
zur Hyposensibilisierung zur Verfügung, die der Patient selber unter der Zunge
anwendet, neuerdings auch bei einzelnen Allergenen in Form einer
Schmelztablette, die sich bei Kontakt mit der Schleimhaut sofort auflöst.
Bedeutsame Nebenwirkungen sind hierbei nicht beschrieben. Die Wirkung ist noch
nicht so gesichert wie bei der Spritzenbehandlung. Besonders für Kinder und
Berufstätige stellen diese Behandlungsformen aber eine echte Alternative dar.
Sonnenallergie
Von der Sonnenallergie weiß die Hautmedizin nur eines sicher: dass es sich nicht
um eine Allergie handelt! Es besteht eine irgendwie geartete Unverträglichkeit,
bei der immer das Sonnenlicht und immer eine entsprechend empfindliche Haut
vorhanden sein müssen. Von einer „polymorphen Lichtdermatose“ spricht der
Hautarzt, also einer durch Licht hervorgerufenen Hauterkrankung, die polymorph,
d.h. in vielerlei Gestalt auftreten kann. Die Beschwerden können sich äußern in
Form juckender Quaddeln, akneartiger Beschwerden mit Pusteln, der
„Mallorca-Akne“, Insektenstichen ähnlichen oder auch ekzematösen Veränderungen
mit Rötungen, Knötchen und Bläschen. Das Bild folgt auch keiner schlüssigen
Logik. So sind die am intensivsten dem Licht ausgesetzte Areale wie Gesicht und
Handrücken eher seltener betroffen. Gleichzeitig können Veränderungen auch an
Stellen auftreten, an denen gar keine intensive Lichteinwirkung bestanden hat.
Typisch sind allerdings das Auftreten bei ersten Lichtkontakten und das dann
allmähliche Nachlassen im Laufe der Zeit. Abzugrenzen sind neben besonderen
durch Licht provozierten Hautkrankheiten Reaktionen durch die Einnahme
photosensibilisierender Wirkstoffe, also von Medikamenten, die die
Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen. Dazu gehört neben dem häufig verordneten
Doxycyclin als Antibiotikum auch das gegen Verstimmungen oft eingesetzte
Johanniskraut. Zahlreiche andere natürliche Substanzen können
photosensibilisierend wirken, so das Bergamott-Öl und andere ätherische Öle in
Parfümen oder der Saft zahlreicher Pflanzen, insbesondere der Herkulesstaude
(Bärenklau). Hierbei können regelrecht verbrennungsartige Veränderungen mit
Blasenbildung entstehen. Während bei bekanntem Auslöser die entsprechende
Meidung an erster Stelle steht, kann der polymorphen Lichtdermatose nur
symptomatisch begegnet werden. Kühlung und mild entzündungshemmende Lotionen und
Cremes sind angebracht, ggf. zusätzlich eine den Juckreiz lindernde Tablette.
Kortison als Tablette oder als Spritze bleibt schweren Formen vorbehalten. Bei
massiven Beschwerden kann ein UV-Hardening, also eine Art Abhärtung der Haut
gegenüber UV-Licht, unternommen werden. Dabei wird der Patient vor der
Sonnensaison bewusst in langsam aufsteigenden Dosen mit dem Licht durch
UV-Bestrahlungen in Kontakt gebracht. Es soll sich eine Toleranz, eine
Gewöhnung, entwickeln. Da diese Behandlung nicht zu einem Langzeiteffekt führt
und somit zu jeder Saison fällig wird, gilt es eine Risikoabwägung zwischen den
Beschwerden durch die Sonnenallergie und den evtl. Spätfolgen der Lichttherapie
(Lichtschaden, Hautkrebs) zu treffen.
Sonnenschutz
Bald ist es wieder soweit: die Gratwanderung zwischen dem Wunsch nach kerniger
Urlaubsbräune und der Sorge um einen Hautkrebs beginnt. Das Sonnenlicht ist von
nicht zu unterschätzender Bedeutung für unser Wohlbefinden und von hohem
Erholungswert. Auch wenn Hautärzte Tag für Tag Hautkrebse entfernen, geht es
ihnen nicht um eine Verteufelung der Sonne. Es geht um einen vernünftigen Umgang
mit dem Sonnenlicht und das ist wie bei vielen Dingen im Leben eine Frage des
Maßes. Im Vordergrund des Sonnenschutzes steht sicher nicht das teure
Lichtschutzmittel aus der Apotheke oder der Testsieger der Stiftung Warentest.
Wichtiger ist die Berücksichtigung folgender Punkte: Was sind Sie für ein
Hauttyp, hell oder dunkel, werden Sie überhaupt braun? Wie gestalten Sie die
ersten Sonnenkontakte? Kurze Zeiten verhindern Sonnenbrände. Bevorzugen Sie
frühe Vormittags- und späte Nachmittagsstunden! Wie sind Sie gekleidet? Ein
T-Shirt, eine weite Bluse, eine Schirmmütze sind ein besserer Schutz als eine
noch so tolle Lichtschutzcreme! Denken Sie besonders an Ihre Kinder! Leichte
Bekleidung einschließlich Kopfbedeckung, unbedingtes Meiden der Mittagssonne und
unbedingt darauf achten, dass der Platz zum Spielen im Schatten liegt! Im Grunde
stellt sich nach all dem kaum noch die Frage nach einem Lichtschutzmittel.
Sicher ist es eine sinnvolle Ergänzung, dann aber sollte ein Präparat ab einem
Faktor 25 aufwärts genommen werden. Wichtig ist ein Schutz gegen UVA- und
UVB-Strahlen. UVB-Licht hat zwar eine 1000-fach höhere Sonnenbrand erzeugende
Wirkung. UVA trägt aber auch zur Hautkrebsentstehung bei. Vor dem Hautkrebs
kommt es aber zu einer Schädigung der Elastizitätsschicht der Haut und damit zu
frühzeitiger Faltenbildung. Beschleunigen können Sie das Auftreten von Falten,
indem Sie zusätzlich Sonnenbänke aufsuchen und rauchen. Sparen Sie sich das Geld
für die Sonnenbank, für die Zigaretten und die später anstehenden
Faltenunterspritzungen und machen Sie dafür doch einfach mal einen schönen
Winterurlaub!
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